Heute möchten wir einen vertieften Blick auf Château Pédesclaux werfen. Das Gut wurde im Jahr 1810 vom Weinhändler Pierre-Urbain Pédesclaux gegründet und bei der offiziellen Klassifizierung im Jahr 1855 als 5em Grand Cru Classé eingestuft. Château Pédesclaux durchlebte seither aber diverse Hochs und Tiefs. Unter anderem mit finanziellen Schwierigkeiten und auch qualitativen Schwankungen.

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Ein neues Zeitalter bricht an.

Im Jahre 2009 kaufen Françoise und Jacky Lorenzetti Château Pédesclaux. Die beiden scheinen einen guten Riecher für versteckte Perlen zu haben, erwarben sie doch schon 2008 Château Lilian Ladouys in Saint-Estèphe. Seither haben die neuen Eigentümer in kurzer Zeit weitere Weinberge dazugekauft, und die Fläche von Château Pédesclaux von 35 auf 48 Hektar erweitert. So integrierte das Paar Château Haut-Milon (ein Nachbargut von Château Mouton-Rothschild und Château Lafite-Rothschild) und kauften auch einige Weingärten von Château Béhèré.

Jacky Lorenzetti ist gebürtiger Schweizer mit Wurzeln im Tessin. Er machte sein Geld mit Immobilien und ist heute auch Hauptaktionär sowie Präsident von „Racing 92“, einem französischen Rugby Club. Jacky Lorenzetti sieht viele Parallelen zwischen Rugby und Wein: „Man muss kämpfen, sich selbst herausfordern, Dinge immer besser machen wollen, zu sich selber ehrlich sein und sich in einem freundlichen Team ausleben können...“

Investitionen in Keller und Weinberge.

Entsprechend gross sind die Ambitionen der neuen Besitzer. Es wurde praktisch alles erneuert, was man erneuern kann. Die Weinberge wurden komplett neu strukturiert und wie oben erwähnt erweitert. Der Keller wurde von A-Z erneuert und so ausgelegt, dass die ganze Weinbereitung mit reiner Schwerkraft und ohne Umpumpen bewältigt werden kann. Das eindrückliche Gebäude wurde vom Architekten Jean-Michel Wilmotte entworfen.

Der Wein.

Wir verkosten heute den 2010er Château Pédesclaux. Ein Wein, der quasi in der Übergangszeit zwischen den alten und neuen Besitzern entstanden ist und sinnbildlich für die grossen Veränderungen steht, welche auf diesem Gut geschehen sind.

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2010, Ch. Pédesclaux, Bordeaux, Pauillac: Dunkles Bordeauxrot, jugendlicher Glanz. Die Nase direkt nach dem Öffnen der Flasche noch etwas verhaltene, sehr tiefe Nase, der Wein braucht Zeit sich zu öffnen. Da sind Aromen von schwarzen Kirschen, Brombeeren, Rauch, Tabak und edlem Zedernholz, dann auch eine feine, florale Note die an weissen Flieder erinnert, sehr schöne Komplexität. Am Gaumen mit sauberem, straffem Auftakt, da sind saftige Brombeeren, auch etwas schwarze Johannisbeere, dazu Noten von Weihnachtsgewürzen und ganz dezent Vanille. Die feinkörnigen Gerbstoffe sind noch recht präsent, dazu kommt eine herrliche Säure welche dem Fruchtkonzentrat die nötige Frische verleiht. Der Alkohol (für das Jahr 2010 mit lediglich 13% ausgesprochen moderat) ist sehr gut eingebunden, alle Elemente sind in ausgezeichneter Balance. Dieser Wein verfügt über eine gute Struktur und eine sehr ansprechende Komplexität. Im Abgang mit sehr guter Länge, endet stimmig auf schwarze Kirschen. 

Wir empfehlen den Wein bei 16 Grad in grossen Bordeaux-Gläsern zu servieren. Wer diesen Tropfen schon jetzt kredenzen möchte, sollte ihn vor dem Genuss 1-2 Stunden Karaffieren.

Ein Tipp zum Schluss.

Meist passen die rote Weine aus Bordeaux aufgrund ihrer sehr ausgeprägten Gerbstoffe nicht ideal zu Fischgerichten. Wir probierten es trotzdem und können bestätigen: Château Pédesclaux begleitet eine in Butter gebratene Seezunge mit Kräutern und weissem Pfeffer vorzüglich.

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Ich möchte mehr über Château Pédesclaux erfahren!