Ende Oktober 2019 verstarb der bekannte Besitzer von Château Sociando-Mallet, Jean Gautreau. Im Gegensatz zu vielen anderen Neuankömmlingen, denen es oft schwerfällt, sich in Bordeaux einen Namen zu schaffen, ist er bis ins Alter von 92 Jahren zu einer emblematischen Figur des Médoc geworden. Sein durchaus spezieller, beruflicher Weg führte ihn vom Tennis-Court zum erfolgreichen Weinunternehmer. Obwohl der junge Bordelaiser als Roland-Garros Halbfinalist im Doppel seine Karriere damals hätte beenden können, begann er, im Weingrosshandel tätig zu werden.

Er reiste oft nach Belgien und Holland und konnte dank einer mobilen Abfüllanlage, die er selber entwickelt hatte, seinen Kunden Château-Abfüllungen anbieten. Im Jahr 1969 begann er, damals eigentlich im Auftrag eines wichtigen Kunden, ein Schloss in Bordeaux zu suchen. Jean Gautreau fand schliesslich das verlassene, jedoch gut erhaltene Château Sociando-Mallet aus dem Jahr 1633. Zwar waren die Kelleranlagen stark beschädigt und Brombeeren rankten sich quer durch die 5 Hektar kleinen Weinberge. Dennoch schlug er dem belgischen Auftraggeber vor, das Anwesen zu besichtigen. Doch dieser kam nicht. Sonnenstrahlen teilten an jenem Tag die Wolken und liessen die Gironde in goldener Farbe erstrahlen. Und wie von einer göttlichen Eingebung getrieben entschied Jean Gautreau, das Anwesen für 250'000 Franken auf eigene Rechnung zu kaufen.

Die ersten Jahre waren hart, Jean Gautreau musste das Anwesen wieder auf- und ausbauen. Die Weinberge litten unter Hagelschäden und er musste gegen die Reblaus kämpfen. Doch 1980 wendete sich das Blatt: Robert Parker probierte die ersten Jahrgänge von Château Sociando-Mallet und war begeistert. Dies erstaunt eigentlich nicht, denn das Anwesen verfügt über ein ausgezeichnetes Terroir. Der tonhaltige Untergrund mit seiner natürlichen Drainage bietet optimale Bedingungen für den Anbau von Cabernet. Zusammen mit der grossen Konsequenz und einer perfektionistischen Arbeitseinstellung schaffte es Jean Gautreau, Château Sociando Mallet qualitativ auf Augenhöhe von klassifizierten Gewächsen zu positionieren und dieses Niveau während 40 Jahren auch zu halten. Château Sociando-Mallet sowie der Zweitwein, La Demoiselle de Sociando, sind Weine, die durch ihre zugängliche Art und qualitative Klasse noch lange an ihren verstorbenen Besitzer erinnern werden.

Glücklicherweise setzt seine Tochter Sylvie heute seine Arbeit fort.