Die Geschichte von Cheval Blanc beginnt 1832, als Château Figeac 15 Hektaren seines Besitzes abtrat. Das Gut gewann rasch an Bedeutung und zeichnete sich durch ein aussergewöhnliches Terroir an der Grenze zwischen den Schwemmlandböden des rechten Ufers und den grossen Tonböden von Pomerol aus. Ende des 19. Jahrhunderts übernahm die Familie Fourcaud-Laussac die Leitung und führte Cheval Blanc während mehr als 150 Jahren in den Olymp der Weinwelt.
Die Weihe erfolgte 1947 mit einem mythischen Jahrgang — Cheval Blanc 1947 gilt bis heute als einer der legendärsten Weine, die je erzeugt wurden, bei Auktionen zu astronomischen Preisen verkauft und einhellig als Wunderwerk von Konzentration, Samtigkeit und Komplexität beschrieben. 1955, bei der ersten Klassifikation von Saint-Émilion, wurde Cheval Blanc auf Anhieb gemeinsam mit Ausone als Premier Grand Cru Classé A eingestuft — eine selbstverständliche Anerkennung.
1998 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: Die SCI Cheval Blanc wurde für 155 Millionen Euro an Baron Albert Frère und Bernard Arnault (LVMH) verkauft. Dieses aussergewöhnliche Duo investierte massiv, ohne das Wesentliche zu verändern: Die Teams blieben bestehen, Pierre Lurton — seit 1990 im Gut und in der Schule von Émile Peynaud ausgebildet — blieb Direktor. 2011 wurde der neue Keller von Christian de Portzamparc, Pritzker-Architekt, als architektonisches Werk an sich eröffnet — ein modernes Zeichen im Dienst der Tradition.
2021 folgte eine aufsehenerregende Entscheidung: Cheval Blanc und Ausone kündigten gemeinsam ihren Rückzug aus der zehnjährigen Klassifikation von Saint-Émilion vor der Revision 2022 an. Es war keine Flucht, sondern ein Statement: Der Ruf von Cheval Blanc steht über jeder Klassifikation. Seit dem Jahrgang 2022 trägt das Etikett schlicht „Saint-Émilion Grand Cru“ — und der weltweite Marktwert des Château hat keinen Deut nachgegeben.

