Das Abenteuer von Mouton Rothschild beginnt 1853, als Baron Nathaniel de Rothschild von der englischen Linie der Familie das Château Brane-Mouton in Pauillac versteigert. Er gibt ihm sofort seinen Namen. Zwei Jahre später, bei der von Napoleon III. für die Weltausstellung in Paris in Auftrag gegebenen Klassifikation, wird Mouton als 2. Grand Cru eingestuft — aus Sicht der Anhänger des Guts zu Unrecht, da sein Terroir dem der Premiers gleichwertig sei.
Der entscheidende Wendepunkt kommt 1922 mit der Ankunft von Baron Philippe de Rothschild, erst 20 Jahre alt. Diese visionäre und glamouröse Persönlichkeit wird das Gut und ganz Bordeaux revolutionieren. 1924 setzt er die vollständige Abfüllung auf dem Château durch — damals noch eine seltene Praxis. 1945, zur Feier des Sieges der Alliierten, beauftragt er Philippe Jullian, das Etikett des Jahrgangs mit einem « V » des Sieges zu illustrieren. Damit ist eine der berühmtesten Traditionen der Weinwelt geboren: Seit 1945 trägt jeder Jahrgang von Mouton Rothschild ein Originalwerk, das bei einem internationalen Künstler in Auftrag gegeben wurde.
Jahrzehntelang kämpft Philippe de Rothschild für die Anerkennung als 1. Grand Cru. Am 21. Juni 1973 unterzeichnet Landwirtschaftsminister Jacques Chirac den Erlass, der Mouton zum 1. Grand Cru Classé erhebt — die einzige und einzigartige Änderung, die je an der Klassifikation von 1855 vorgenommen wurde. Philippe feiert dieses Ereignis mit einer neuen Devise auf dem Etikett des 1973, illustriert von Picasso. Das Gut nimmt dann das Gesicht an, das wir heute kennen.
Nach dem Tod von Baron Philippe 1988 übernimmt seine Tochter Baronin Philippine das Ruder und führt das Familienwerk mit ebenso viel Ehrgeiz fort. Sie modernisiert die Anlagen, schafft 1993 den Zweitwein « Le Petit Mouton de Mouton Rothschild » und lässt das Château bis zu ihrem Tod 2014 international strahlen. Ihre drei Kinder — Camille Sereys, Philippe Sereys und Julien de Beaumarchais de Rothschild — setzen dieses einzigartige Erbe heute mit Generaldirektor Philippe Dhalluin seit 2003 fort. Der 2013 eingeweihte neue Gärkeller und die Fülle der 100/100 Parker (2016, 2020) zeugen vom ungebrochenen Ehrgeiz dieses Ausnahmehauses.
- 1853 Baron Nathaniel de Rothschild erwirbt Château Brane-Mouton in Pauillac und benennt es sofort in Château Mouton Rothschild um.
- 1855 Einstufung als 2. Grand Cru Classé anlässlich der Weltausstellung in Paris unter Napoleon III. — ein Rang, den Philippe de Rothschild stets als ungerecht empfand.
- 1922 Baron Philippe de Rothschild übernimmt die Leitung des Guts mit 20 Jahren. Beginn einer Ära der qualitativen Revolution und kreativen Kühnheit.
- 1924 Vollständige Abfüllung auf dem Château ab dem Jahrgang 1924 — eine Revolution für das damalige Bordeaux.
- 1945 Erstes Künstleretikett: das « V » des Sieges von Philippe Jullian. Parker vergibt 100/100 auf diesen legendären Jahrgang.
- 1973 Offizielle Beförderung zum 1. Grand Cru Classé, unterzeichnet von Jacques Chirac. Etikett von Picasso. Neue Devise: « Premier je suis… »
- 1982 Parker 100/100 auf den 1982er — erste der sechs Bestnoten auf modernen Jahrgängen. Noch heute ein legendärer Wein.
- 1988 Tod von Baron Philippe. Baronin Philippine übernimmt die Leitung und setzt die Exzellenz mit ebenso viel Glanz fort.
- 1993 Einführung des Zweitweins: Le Petit Mouton de Mouton Rothschild.
- 2003 Philippe Dhalluin wird zum Generaldirektor des Châteaus ernannt.
- 2010 Etikett von Jeff Koons. Parker 98/100 — einer der grössten Mouton des Jahrzehnts.
- 2013 Einweihung des neuen ultramodernen Gärkellers. Etikett von Pierre Soulages.
- 2016 Parker 100/100 — sechste Bestnote in der Geschichte des Châteaus. 99–100 Pkt. Yves Beck. Horizont 2026–2061.
- 2020–2022 Parker 100/100 auf den 2020er. Etikett Kusama auf dem 2022er (98–100 Pkt. Yves Beck). Mouton bestätigt seinen Status als absolutes Gipfeljahr der Appellation.

