Der Name Certan gehört zu den ältesten der Weinbaugeschichte Pomerols. Seit dem 17. Jahrhundert wird der Flurname Certan — dessen Etymologie umstritten ist, möglicherweise aus dem Gaskognischen «certain» abgeleitet, was ein klar definiertes Gebiet bezeichnet — in den Notariatsurkunden der Region als einer der angesehensten Sektoren der Gemeinde erwähnt. Mehrere Güter trugen diesen Namen, weshalb es nötig wurde, das älteste zu bezeichnen: Vieux Château Certan.
Im 19. Jahrhundert reihten die Weinführer der Zeit Vieux Château Certan regelmässig unter die premiers crus Pomerols ein, mitunter noch vor Pétrus, dessen internationaler Ruf seinen heutigen Höhepunkt noch nicht erreicht hatte. Eben diese Position auf dem zentralen Plateau aus blauem Ton — den begehrtesten Böden der Appellation — begründete dieses Prestige.
1924 erwarb Léon Thienpont, ein in Bordeaux ansässiger Weinhändler belgischer Herkunft, das Gut. Damit begann ein Jahrhundert rigoroser und leidenschaftlicher Familienverwaltung. Die Familie Thienpont, die auch andere Bordelaiser Güter besitzt (darunter Le Pin, 1979 von Jacques Thienpont auf einigen benachbarten Arpents gegründet), hat Vieux Château Certan stets in den Mittelpunkt ihres weinbaulichen Erbes gestellt.
Es ist Alexandre Thienpont, der 1985 mit nur 25 Jahren nach dem frühen Tod seines Vaters Léon-Bernard die Leitung des Guts übernahm. Unter seiner Führung hat der Wein über vierzig Jahre eine kontinuierliche und regelmässige Qualitätssteigerung erfahren, ohne stilistischen Bruch oder modische Übertreibungen. Alexandre blieb dem traditionellen Rebsortenbestand des Guts treu — seinem hohen Cabernet-Anteil — und einem geduldigen Ausbau, der Komplexität über unmittelbare Konzentration stellt. Sein Sohn Guillaume stiess Anfang der 2010er Jahre zum Gut und sichert die Fortsetzung dieser Vision.
- 17. Jh. Erste Erwähnungen des Flurnamens Certan in den Notariatsurkunden von Pomerol. Der Name bezeichnet bereits einen der angesehensten Sektoren der Gemeinde auf dem zentralen Plateau aus blauem Ton.
- 19. Jh. Die Bordelaiser Weinführer reihen Vieux Château Certan unter die premiers crus Pomerols ein, oft noch vor Pétrus, dessen internationaler Ruf noch begrenzt ist.
- 1924 Léon Thienpont, Bordelaiser Weinhändler belgischer Herkunft, erwirbt das Gut. Beginn einer ununterbrochenen Familienkontinuität, die heute ihr hundertjähriges Jubiläum erreicht.
- 1948 Robert Parker wird dem Jahrgang 1948 von Vieux Château Certan rückwirkend 100 Punkte verleihen — einer der legendärsten Weine, die je in Pomerol erzeugt wurden.
- 1979 Jacques Thienpont, Cousin von Alexandre, gründet Le Pin auf einigen Arpents neben Vieux Château Certan. Dieses neue Gut wird zu einem der teuersten Weine der Welt.
- 1985 Alexandre Thienpont übernimmt mit 25 Jahren die Leitung des Guts nach dem Tod seines Vaters. Beginn einer Ära konstanter Qualität, die vierzig Jahre andauern wird.
- 2001 Der Jahrgang 2001 erhält 100 Punkte von Robert Parker, was Vieux Château Certan im sehr kleinen Kreis der perfekten Weine Pomerols bestätigt.
- 2010er Guillaume Thienpont stösst zu seinem Vater Alexandre. Fortsetzung der Familienphilosophie: Treue zum traditionellen Rebsortenbestand, nachhaltiger Weinbau und langer Ausbau in Fässern.
- 2024 Hundertjähriges Jubiläum des Erwerbs des Guts durch die Familie Thienpont. Vieux Château Certan feiert hundert Jahre unter demselben belgischen Familiennamen — eine absolute Seltenheit in Pomerol.

