Die Geschichte von Figeac reicht bis ins 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurück, in die gallorömische Epoche: Überreste von Steinkanälen zeugen von einer Villa der Familie Figeacus, deren Name achtzehn Jahrhunderte überdauerte und das heutige Weingut benennt. Im 18. Jahrhundert wird das Château im klassischen Stil neu erbaut, der ihm heute seine unverwechselbare Silhouette verleiht, mit seiner schnörkellosen Fassade auf einem Ehrenhof. Auf seinem Höhepunkt erstreckt sich das Weingut auf nahezu 200 Hektar — und es war von Figeac, dass 1832 jene 15 Hektar abgetrennt wurden, die zu Château Cheval Blanc werden sollten.
Das 19. Jahrhundert sieht das Weingut schrittweise zersplittern, durch Erbschaften und Verkäufe. Mehrere Châteaux mit dem Suffix Figeac gingen daraus hervor. 1892 erwirbt Henriette Villepigue das Weingut mit ihrer Mitgift und übergibt die Verwaltung ihrer Familie — den Vorfahren der Manoncourts. Das emblematische Etikett wird 1906 von Robert Villepique, Onkel von Thierry Manoncourt, entworfen und seither nie verändert.
Es ist Thierry Manoncourt (1917–2010), ausgebildeter Agraringenieur, der den Stil Figeac prägt, wie wir ihn heute kennen. Ab 1947 restrukturiert er den Weinberg, wählt bewusst eine Cabernet-lastige Bepflanzung — eine kühne Entscheidung in Saint-Émilion — und modernisiert die Keller, was ihm den Beinamen «Pharao von Saint-Émilion» einbringt. Er ist auch einer der Pioniere des Zweitweins in Bordeaux, bereits 1945. Seit der Schaffung des Klassements von Saint-Émilion 1955 ist Figeac als Premier Grand Cru Classé B anerkannt.
Nach dem Tod von Thierry Manoncourt 2010 führen seine Gattin Marie-France und seine Töchter Hortense und Blandine das Familienwerk fort, begleitet von Frédéric Faye als Generaldirektor seit 2013. 2021 wird ein neuer Keller mit bemerkenswerter zeitgenössischer Architektur eingeweiht. Am 8. September 2022 veröffentlicht das INAO das neue Jahrzehnt-Klassement: Château Figeac wird endlich zum Premier Grand Cru Classé A erhoben — eine in der Weinwelt einhellig gefeierte Anerkennung.

