Die Geschichte von Grand-Puy Lacoste reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück — eine Seltenheit selbst im Médoc. Das Gut verdankt seinen Namen dem Flurnamen « Grand Puy », wobei das Wort « puy » im Altfranzösischen eine Anhöhe oder einen Hügel bezeichnet und auf die dominierende Lage des Weinbergs am linken Ufer der Gironde hinweist. Wie es der Tradition der Epoche entsprach, wurde der Name des Besitzers dem des Flurnamens angefügt: zunächst « Grand-Puy Saint-Guirons », dann « Saint Guirons-Lacoste » und schliesslich « Grand-Puy-Lacoste ».
Nach dem Ersten Weltkrieg gaben die Enkel von Pierre-Frédéric Lacoste das Gut auf und beendeten damit fünf Jahrhunderte Familientradition. Die entscheidende Wende kam 1930 mit der Ankunft von Raymond Dupin, dem späteren Vorsitzenden des Rats der Grands Crus Classés des Médoc, der das Château fast ein halbes Jahrhundert lang prägen sollte.
Mangels Nachkommen überliess Raymond Dupin das Gut 1978 an Jean-Eugène Borie, Eigentümer von Château Ducru-Beaucaillou, den er als « echten Médocain » bezeichnete. Sein Sohn François-Xavier Borie übernahm 2007 die Leitung und hauchte dem Château neue Dynamik ein: vollständige Renovierung der Gebäude, Bau eines grossen Barriquehauses, Installation thermoregulierter Edelstahlbehälter für jede Parzelle. Seine Devise — « God is in details » — fasst seinen Anspruch auf Präzision in jedem Schritt der Weinbereitung treffend zusammen.
Unterstützt von Éric Boissenot, Christel Spinner seit 2012, Kellermeister Philippe Gouze und Kulturchef Antonio Flores hat François-Xavier Borie Grand-Puy Lacoste zu einem vollständig anerkannten « Grand Pauillac » gemacht. Das erklärte Ziel — zugängliche Preise ohne Abstriche bei der Qualität — bleibt das Markenzeichen des Châteaus.
- 16. Jh. Erste Belege des Weinguts auf den Höhen von Pauillac unter dem Namen « Grand-Puy Saint-Guirons ».
- 19. Jh. Mehrere Namenswechsel: « Saint Guirons-Lacoste » dann « Grand-Puy-Lacoste » nach der Erbfolge der Töchter.
- 1855 Einstufung als 5. Grand Cru Classé anlässlich der Weltausstellung in Paris unter Napoleon III.
- 1920er Die Nachkommen von Pierre-Frédéric Lacoste geben das Gut auf — Ende von fünf Jahrhunderten Familientradition.
- 1930 Ankunft von Raymond Dupin, späterem Vorsitzenden des Rats der Grands Crus Classés du Médoc. Beginn einer Ära der Modernisierung.
- 1978 Übergabe an Jean-Eugène Borie (Ducru-Beaucaillou), von Dupin als « echter Médocain » bezeichnet. Eingang in die Familie Borie.
- 1982 Schaffung des Zweitweins Lacoste-Borie, um die Quintessenz des Terroirs im Grand Vin zu konzentrieren.
- 2007 François-Xavier Borie übernimmt die Leitung. Vollständige Renovierung der Gebäude und des Barriquehauses.
- 2012 Ankunft von Christel Spinner. Qualitätssteigerung mit dem beratenden Önologen Éric Boissenot.
- 2019–2020 Robert Parker verleiht dem 2019er 96/100. Das Château bestätigt seinen Platz unter den unverzichtbaren Referenzen der Appellation Pauillac.

