Die Geschichte von Pichon Longueville Comtesse de Lalande ist untrennbar mit Frauen verbunden, die ihr Schicksal geprägt haben. Am Ende des 17. Jahrhunderts erwirbt Pierre Desmezures de Rauzan Ländereien im Süden von Pauillac. Seine Tochter Thérèse erhält sie als Mitgift und heiratet Jacques de Pichon de Longueville. Das so entstandene einheitliche Gut verbleibt mehr als zwei Jahrhunderte in derselben Familie — eine im Médoc aussergewöhnliche Kontinuität.
1850 teilt eine Erbschaft die Ländereien. Der Sohn, Baron Raoul, erhält einen Teil — das ist Pichon Baron. Die drei Töchter erben den Rest, darunter Virginie, die den Grafen de Lalande geheiratet hat und dem Gut ihren Namen gibt. Es ist Virginie, die das neoklassische Schloss errichten lässt, dessen elegante Silhouette sich heute in einem pittoresken See spiegelt — das Wahrzeichen des Weinguts. 1855 wird das Château als 2. Grand Cru klassifiziert, womit die Qualität eines Terroirs anerkannt wird, das bereits 11 Hektar auf der Gemeinde Saint-Julien umfasst.
Der entscheidende Wendepunkt kommt 1978: May-Éliane de Lencquesaing, Tochter von Édouard Miailhe, erbt das Weingut. Die « Générale » genannte Frau — wegen der Militärkarriere ihres Mannes — katapultiert Pichon Comtesse fast dreissig Jahre lang auf die internationale Bühne. Unter ihrer Ägide findet das Château nicht nur seinen Rang als 2. Cru wieder, sondern übertrifft ihn — James Laube vom Wine Spectator nennt es « Second Cru erster Klasse ».
2007 übergibt May-Éliane das Gut an die Familie Rouzaud, Eigentümerin des Champagnerhauses Louis Roederer. Frédéric Rouzaud initiiert umfangreiche Arbeiten: ein ultramodernes neues Gärkeller mit 63 Behältern, eingeweiht 2013, Neustrukturierung des Weinbergs, biologische Umstellung ab 2021. Unter der Leitung von Nicolas Glumineau seit 2012 erreicht das Château unerreichte Gipfel — Parker verleiht dem 2016 erneut 100/100, der 2022 erhält 98–100 Pkt. Yves Beck, der 2023 97–99 Pkt.
- 17. Jh. Pierre Desmezures de Rauzan erwirbt Ländereien im Süden von Pauillac. Seine Tochter Thérèse heiratet Jacques de Pichon de Longueville — Geburt des Guts.
- 1850 Erbteilung: Geburt von Pichon Comtesse (Virginie und ihre Schwestern) und Pichon Baron (der Sohn). Virginie lässt das neoklassische Schloss errichten.
- 1855 Einstufung als 2. Grand Cru Classé anlässlich der Weltausstellung in Paris unter Napoleon III.
- 1925 Erwerb durch Édouard und Louis Miailhe, Bordelaiser Weinmakler. Beginn der Modernisierung des Weinguts.
- 1978 May-Éliane de Lencquesaing, Tochter von Édouard Miailhe, übernimmt die Leitung. « La Générale » bringt Pichon Comtesse auf die internationale Bühne.
- 1982 Robert Parker vergibt 100/100 auf den Jahrgang 1982 — weltweite Anerkennung des Châteaus und einer der grössten je in Pauillac produzierten Weine.
- 2007 Übergabe an die Familie Rouzaud, Eigentümerin von Louis Roederer. Frédéric Rouzaud initiiert eine tiefgreifende Restructurierung und Modernisierung.
- 2012 Nicolas Glumineau übernimmt die Leitung des Châteaus. Beginn einer neuen Ära qualitativer Exzellenz.
- 2013 Einweihung des neuen ultramodernen Gärkellers: 63 thermoregulierte Behälter für eine bisher unerreichte Präzision bei der Parzellenvinifikation.
- 2016 Parker vergibt erneut 100/100 — der 2016er (98–100 Pkt. Yves Beck) gesellt sich zu 1982 in den absoluten Olymp des Châteaus. Horizont 2026–2051.
- 2021 Einleitung der biologischen Umstellung. Erster Bio-Jahrgang bei nur 15 hl/ha, brillant gemeistert (96–97 Pkt. Yves Beck).

