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Bordeaux primeurs 2020: Die Geburt einer Trilogie...

In Bezug auf die Witterungsbedingungen begünstigten ein milder und feuchter Winter gefolgt von einem warmen, aber verregneten Frühling während der Lockdown-Periode die Ausbreitung von Mehltau. Zwischen April und Juni überstiegen die Niederschläge die Frühjahrsdurchschnittswerte um 135 mm, und die Böden – vor allem die aus lehmigem Kies – waren im Sommer mit Wasser getränkt. Dies stellte sich später als Vorteil heraus, denn der Sommer 2020 war besonders heiss und trocken und erlaubte es den Winzern, den Mehltau aus den Trauben zu entfernen. Die Beeren wurden grösser und schritten in ihrer Reifeentwicklung unüblich rasch voran, so dass der Reifevorsprung der Trauben im Sommer zwei bis drei Wochen betrug. Im Juli setzte an gewissen Lagen Trockenstress ein, doch ein wenig Regen Anfang August entspannte die Situation wieder. Ab Mitte August setzte dann aber erneut eine grosse Trockenheit ein, die bis Mitte September anhielt und zu einer der frühesten Ernten der Geschichte führte. Dank grossen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht konnten die Trauben in dieser Phase dennoch harmonisch reifen und ihr Aromaspektrum komplettieren. Die Zuckerwerte blieben dabei unter Kontrolle und man erntete kleine, gesunde und hochkonzentrierte Trauben mit dicken Schalen. Die Erntemenge war im Vergleich zu 2019 entsprechend klein.

bordeaux primeurs 2020

Aufgrund der Trockenheit war das Erntezeitfenster kurz und die Teams waren gefordert, in wenigen Wochen die ganze Ernte zu organisieren. Begonnen wurde am 8. September mit dem Merlot und bereits am 30. September waren die Cabernet Sauvignons im Keller. Was die Süssweine betrifft, so hatte man weniger Glück, denn die Botrytis trat erst Anfang Oktober auf, was die Ernte entsprechend verzögerte.

Das Ergebnis der Bordeaux Primeurs 2020 ist erstaunlich. Trotz vielen Herausforderungen, die das Jahr so brachte, ist es den Winzern schlussendlich gelungen, einen guten Jahrgang zu keltern. Die Alkoholwerte sind niedriger als in den letzten Jahren, vielerorts unter 14°, was in Sachen Bekömmlichkeit ein sehr positiver Punkt ist. Die kleinen, dickhäutigen Beeren führten zu einem konzentrierten Saft mit vielen reifen Tanninen aber auch zu einem limitierten Ertrag.

Am linken Ufer hat die Nähe zur Gironde mit ihren kühlen ozeanischen Winden die Weingüter vor starkem Pilzdruck bewahrt. Ebenso profitiert haben im Jahr 2020 Parzellen auf Lehmböden, da diese die Feuchtigkeit des Frühlings für die heissen und trockenen Sommertage speichern konnten. In diesem Kontext haben viele Cabernet Sauvignons ihre Stärken ausspielen können was unter anderem in St-Estèphe zu homogenen Qualitäten führte. Aber auch in St-Julien, Pauillac und Margaux reifte der Cabernet wunderschön aus und hat in der Tendenz eine höhere Konzentration als üblich.

Was das rechte Ufer betrifft, haben die Weingüter mit Lehm-Kalk-Böden in St-Emilion profitiert: Spannung, Kraft und sehr feine Tannine sind hier zu vermerken. Das Jahr war auch für den Merlot sehr gut, so dass dieser in den Assemblagen teils einen höheren Anteil ausmachen dürfte als in anderen Jahren. In Pomerol lautet das Leitmotiv sogar, dass 2020 ein Merlot-Jahr ist.

Kurzum: Die 2020er Bordeaux-Weine versprechen sehr gute Qualitäten. Es ist ein grosser Jahrgang, mit feinen, reifen Tanninen, generell etwas niedrigeren Alkoholwerten und mit subtiler Balance. Er hat alles, um als neuer, aber dennoch «klassischer» Jahrgang in Erinnerung zu bleiben. Der berühmte Önologe Eric Boissenot, Berater von den meisten 1er Crus im Médoc, sagte: «2020 wird weder 2018 noch 2019 ähneln, aber er wird wahrscheinlich etwas von 2016 haben».