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Bordeaux Primeurs 2022: «Astonishing» (Suckling)

Jahrgang 2022: Ein prophetischer Jahrgang oder wie die Weinrebe ihre aussergewöhnliche Widerstandsfähigkeit unter Beweis stellt.

Niemand kann die monströsen Brände (30.000 Hektar) vergessen, die im Juli 2022 die Wälder des Landes verwüsteten. Und alle erinnern sich an die immer wiederkehrenden Hitzewellen, die den Jahrgang 2022 wahrscheinlich zum Scharnierjahr zu einer neuen Ära machen. Da ist zum einen die unglaubliche Fähigkeit der Weinberge, sich an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen. Die Reben haben sich 2022 selbst übertroffen und mit Hilfe ihrer tiefen Wurzeln, die im Lehmuntergrund, der wochenlang die Feuchtigkeit des Frühlings bewahrte, die letzten Nährstoff-Reserven angezapft. Ebenso wichtig war die harmonische Co-Existenz von unterschiedlichen Pflanzenarten im Weinberg, der Biodiversität, denn sie hat ein Übermass an Evapotranspiration der Reben verhindert. Zum anderen ist da aber auch die phänomenale Fähigkeit des Menschen, das Wachstum der Reben mit viel Kreativität und grossem Wissen zu unterstützen. Hand aufs Herz: Die Winzer werden in diesem Bereich immer besser. Sie installierten Klimapuffer, die zwischen den Rebstöcken verteilt sind (Teiche, Beeren, Hecken, Bäche), sie errichteten Pflanzendecken, nutzen Unterlagen mit tiefen Wurzeln, die sie im Laufe der Jahre selektiert haben, sie verzichten auf das Entlauben und die grüne Ernte und reduzieren die Bodenbearbeitung auf ein Minimum, um das Verdunsten von Wasserreserven zu verhindern, etc… Fasst man den Jahrgang 2022 zusammen, dann resultiert ein einfaches Wort: Resilienz. Das Ergebnis ist ebenso spektakulär wie überraschend: Der Jahrgang 2022 verbindet Rundheit, Samtigkeit mit einer völlig unerwarteten Frische, ein fast schon wundersames Gleichgewicht! Doch leider ist da ist auch eine Kehrseite der Medaille: Die 2022er Weine sind zwar gut, aber aufgrund des niedrigen Ertrags rar.

bordeaux primeurs 2022

Ein trockenerer und warmer Start in den Winter

Abgesehen von zwei Kälteeinbrüchen war der Winter 2021/2022 insgesamt wärmer und vor allem auch trockener als üblich. Glücklicherweise gab es im November und Dezember 2021 einige Niederschläge, sodass sich die Böden mit Wasser füllten und sich die Reben auf das Hitzejahr vorbereiten konnten. Mitte März verzögerten einige kühle Nächte einen zu frühen Austrieb und ermöglichten so den Reben, die Frostnächte Anfang April schadlos zu überstehen.

Ein ziemlich normaler Frühling

Der April war der einzige Monat des Jahres, in dem die langjährigen Temperatur-Trends eingehalten wurden. Ab Mai jedoch stieg das Thermometer und führte zu Spitzenwerten über 30 Grad, welche das Wachstum und damit auch die Blütezeit beschleunigen. Diese unüblich frühe Blüte, die Mitte Mai stattfand, bestimmte den Lesezeitpunkt der gesamten Ernte somit vor.

Ein wunderbarer Sommer

Die erste Junihälfte war heiss und führte bei den Reben zu einem Wasserstress; die Winzer hielten den Atem an. Glücklicherweise stellte die zweite Hälfte des Monats mit einigen Gewittern das Gleichgewicht in Sachen Niederschlagsmengen wieder her. Diese Regenfälle spielten im Nachhinein betrachtet eine Schlüsselrolle für die Widerstandsfähigkeit der Reben gegenüber den kommenden Hitzewellen im Juli und August. Die Böden speicherten die sintflutartigen Regenfälle des Frühlings und lieferten während nicht weniger als fünf Hitzewellen und der damit verbundenen Trockenheit den Trauben die nötige Kühle, was ihre Aromabildung begünstigte. Auch sorgten im August die eher niedrigere Nachttemperaturen dafür, dass sich die Reben von den hohen Tagestemperaturen erholen konnten. Die Winzer übten sich in Geduld, beteten für ihre Reben und bearbeiteten weder den Boden noch die Blätter, um die Verdunstung von Wasser zu verhindern und den Pflanzen den nötigen Widerstand zu geben, den sie brauchten.

Ein perfektes Timing für die Ernte

Am 9. August war es dann so weit: Die ersten Weissweintrauben – wohlbemerkt so früh wie noch nie zuvor – wurden im Sauternes gelesen! Und es war höchste Zeit, denn nach den Hitzewellen im Juli war der Zuckergehalt bereits so hoch, dass es für die Weissweine schade gewesen wäre, noch länger zuzuwarten. Auch die Lese für die Rotweintrauben begann ungewöhnlich früh, bei einigen Weingütern schon am 2. September! Generell kann man sagen, dass in der gesamten Region Bordeaux die Ernte rund drei Wochen früher stattfand als normal, und dies ohne Fäulnis und ohne Regenfälle.

Die Weissweine

Mit einem eher niedrigen Säuregehalt wurden die Trauben für die Weissweine besonders früh gelesen. Die Ergebnisse hängen natürlich vom Terroir ab, welches die Feuchtigkeit je nach Zusammensetzung von Lehm und Kalkstein mehr oder weniger gut halten konnte. Einige Weissweine auf Basis von Sauvignon Blanc präsentieren sich überraschend fruchtig und frisch mit zitrischen Noten sowie exotischen Früchten, die Weine auf Basis von Sémillon dagegen zeigen Aromen von Pfirsich und Aprikose.

Die Rotweine

Mit den alles in allem sehr günstigen Bedingungen zu den entscheidenden Zeitpunkten des Austriebs, der Blüte und der Ernte sind die Rotweine insgesamt sehr gelungen, teils sogar von aussergewöhnlicher Qualität. Auf den ton- und kalkhaltigen Böden sind runde und cremige Merlots und perfekt reife Cabernet Francs entstanden, die in ihrer Symbiose für eine erstaunliche Frische in diesem warmen Jahrgang sorgen. Ohne Frage profitierte vor allem der Cabernet Sauvignon, der auch in trockeneren und wärmeren Klimazonen gut gedeiht, von diesem heissen Klima. Mit seinen kräftigen, reifen Tanninen trägt er in distinguierter Art zur Struktur und Ausgewogenheit der 2022er Weine bei. Gerade weil die Cabernet-Beeren ungewöhnlich klein waren, zeigen sie intensive Noten von schwarzen Johannisbeeren und Minze. 2022 ist ein Jahrgang voller Emotionen. Es ist ein Jahr voller Erwartungen, Gebete, Demut, Erleichterung und schliesslich Verwunderung. Nicolas Thienpont, ein bekannter Önologe aus Bordeaux, beschreibt es so: «Die grösste Angst in diesem Jahrgang war ein Remake von 2003, ebenfalls ein Jahr der Hitze und extremen Trockenheit, das viele sehr dichte, alkoholreiche und wenig ausgewogene Weine hervorbrachte.» Im Gegensatz zu 2003 sind die Weine des Jahres 2022 – auch dank der starken Regenfälle im Juni, den kühlen Nächten im August sowie den Schutzmassnahmen, die die Châteaux bei der grossen Hitze anwendeten – überraschend frisch, fruchtig und strahlend. Sie verfügen über eine ausgewogene Balance aus Frucht und Tannin. Noch immer in den Fässern schlummernd hat die Vitalität und Harmonie des Jahrgangs viele Kritiker, darunter auch die des Wine Advocate, überrascht. José Sanfins von Château Cantenac Brown bringt die Magie des Jahrgangs auf den Punkt: «Mutter Natur gefällt es, uns periodisch daran zu erinnern, dass sie die Herrin des Spiels ist und bleiben wird.»

Bordeaux Primeurs 2022 Subskription erwerben

Was heisst das genau ?  Die verschiedenen Besitztümer in Bordeaux degustieren jedes Jahr, so etwa zu Anfang April, die im vergangenen Herbst zu Wein verarbeitete Ernte. Diese jungen Bordeaux Weine befinden sich noch im Stadium der Pflege, werden aber der Fachpresse und den Spezialisten vorgestellt. So degustieren wir jedes Jahr während einer Woche alle Bordeaux-Weine, die als so genannte Bordeaux Primeurs Subskription verkauft werden.

Zwischen Mai und Juli geben die verschiedenen Schlösser ihre Preise bekannt für die im April degustierten Weine. Es liegt dann an uns, den Fachhändlern, sich für diesen oder jenen Wein zu entscheiden, dies aufgrund des Degustationsresultates und selbstverständlich dem vorgeschlagenen Preis. Ist unsere Selektion definitiv, unterbreiten wir diese unseren Kunden in Form von einer Bordeaux Subskription, natürlich immer zum günstigsten Preis. Die Liste der Bordeaux Primeurs in Subskription, publizieren wir generell gegen Ende Juni, Anfang Juli.

Die so subskribierten Primeur-Weine sind innert 30 Tagen zahlbar und werden - franko Haus ab 36 Flaschen - zwei Jahre später im Frühjahr, nach der Flaschenabfüllung in den diversen Schlössern, geliefert.

Die Vorteile eines Bordeaux Primeurs-Kaufs sind zahlreich, ebenso für den Produzenten wie für den Kunden. Der Produzent bekommt sein Geld im notwendigsten Moment. Der Kunde sichert sich die Verfügbarkeit von Bordeaux Weinen, die er vielleicht später nicht mehr beschaffen kann. Ebenso kann der Kunde beim Primeur-Kauf andersformatige Flaschen erwerben (halbe, Magnums), was nach der Flaschenabfüllung nicht mehr möglich ist. Im Falle einer späteren Preiserhöhung profitiert natürlich der avisierte Kunde davon.