Das Weingut hat seine Wurzeln im 17. Jahrhundert unter dem Namen Château de la Salle, benannt nach seinen ersten Besitzern. Im Jahr 1751 überliess François Renard de la Salle das Gut an Sir John Collingwood, einen der renommiertesten englischen Kaufleute auf dem Bordeaux-Marktplatz. Dessen Schwiegersohn, der Ire Mark Kirwan, gab dem Weingut 1775 seinen endgültigen Namen. Als visionärer Unternehmer erweiterte Mark Kirwan den Weinberg, liess das noch heute stehende Schloss bauen und erregte die Aufmerksamkeit von Thomas Jefferson: 1787 stufte der spätere amerikanische Präsident, damals Botschafter in Paris, den « Quirouen » bei seiner Bordeaux-Tournee als zweitrangigen Cru ein.
Nach der Revolution und mehreren Besitzerwechseln wurde das Gut 1855 versteigert — im selben Jahr seiner offiziellen Klassifizierung als erster der 3. Grands Crus du Médoc. Jean-Pierre Godard erwarb es, sein Sohn Camille gestaltete den heutigen Park und fügte 25 Hektaren hinzu. Bei seinem Tod 1881 vermachte Camille das Schloss der Stadt Bordeaux, die es bis 1925 verwaltete. Zu diesem Zeitpunkt übernahm die Kaufmannsfamilie Schÿler — dänischer Herkunft, seit Anfang des 19. Jahrhunderts unter der Firma Schröder & Schÿler in Bordeaux ansässig — das Gut endgültig.
Die eigentliche Wiedergeburt des Weinbaus begann in den 1950er–1960er Jahren unter dem Impuls von Jean-Henri Schÿler (7. Generation), der replantierte, die Entwässerung verbesserte und die Böden umstrukturierte. Die Schaffung der AOC Margaux im Jahr 1954 gab der gesamten Appellation neuen Schwung. In jüngerer Zeit markierte die Ankunft des Önologen Éric Boissenot — nach einem Jahrzehnt der Zusammenarbeit mit Michel Rolland — eine entscheidende Qualitätswende: Die Weine von Kirwan gewannen an Frische, aromatischer Präzision und tannischer Eleganz. Im Jahr 2017 wurde ein neues, hochmodernes Keltereigebäude eingeweiht, das den Betrieb endgültig in der Moderne verankert und dabei seine Identität als zarter und floraler Margaux bewahrt.
Heute führt die 8. Generation Schÿler — mit Stanislas Thierry an den kommerziellen Geschicken und Philippe Delfaut bei der Vinifikation — einen Stil weiter, der die Dichte grosser Bordeaux-Jahre mit der charakteristischen Anmut von Cantenac verbindet. Das Weingut ist seit dem Jahrgang 2017 mit dem Label Haute Valeur Environnementale (HVE) zertifiziert.

