Bordeaux 2014: Altweibersommer im Bordeaux!
Meteorologie des Jahrgangs 2014 im Bordeaux
Bezüglich der Temperaturen war der Winter 2013-2014 eher mild und glücklicherweise ganz ohne Frost im Februar. Die Niederschlagsmenge lag dafür über dem langjährigen Durchschnitt. Die milden Temperaturen im Winter in Kombination mit einem sehr frühlingshaften März liessen die Reben rund zwei Wochen früher als normal austreiben. Der Frühling 2014 war eher kühl mit sehr günstigen Bedingungen für die Blüte. Der Juni war wärmer und trockener als normal. Die Bedingungen schienen ideal für einen traumhaften Jahrgang. Doch das regnerische Wetter mit Gewittern im Juli und noch mehr im August stoppte die Entwicklung der Reben, der zweiwöchige Vorsprung war schnell wieder verloren. Vermehrt machte sich Pessimismus bei den Bordeaux-Winzern breit.
Doch dann, im September und Oktober, ein kleines Wunder: Bordeaux erlebte den längsten, heissesten und trockensten Altweibersommer seit 100 Jahren! In diesen zwei Monaten konnten die Trauben langsam und ausgewogen ausreifen; der Jahrgang wurde buchstäblich gerettet. Das extrem gute Wetter im Herbst erlaubte es den Weingütern, den optimalen Erntezeitpunkt abzuwarten und so perfekte Reife Trauben zu lesen.
Die Bordeaux-Weine 2014
Wie jedes Jahr reiste ich ins Bordeaux, um während einer Woche im Rahmen der traditionellen Primeur-Verkostungen eine bessere Vorstellung vom Jahrgang 2014 zu erhalten. Nach mehreren hundert Proben bin ich mir sicher, dass 2014 der beste Bordeaux Weine-Jahrgang seit dem aussergewöhnlichen Jahrgang 2010 ist. Die Weine sind sehr präzis, äusserst frisch im Mund und oft fast cremig am mittleren Gaumen, umrahmt von sehr feinen, seidigen Tanninen. Es sind allerdings nicht so überschwängliche Weine wie sie 2009 und 2010 entstanden sind. 2014 ist vielmehr ein schöner, klassischer Jahrgang 2014 mit sehr gutem Reifepotenzial.
Im Allgemeinen konnten Cabernet Sauvignon und Cabernet-Franc besser vom langen Altweibersommer profitieren als der etwas früher reifende Merlot. Somit sind die Weine vom linken Ufer, wo der Anteil Cabernet höher ist als an der Dordogne, qualitativ etwas homogener ausgefallen. Natürlich gibt es aber auch Ausnahmen, was gerade die Güter mit den besten Terroirs im St-Emilion und Pomerol beweisen. Die vielleicht besten Rotweine entstanden in den Gemeinden St-Julien, Pauillac, St Estèphe aber auch im Pessac-Léognan. Die trockenen Weissweine sind knackig und lebendig.
Der Primeur-Markt
Noch ist es schwierig, eine klare Tendenz zu erkennen, denn die meisten Schlösser haben ihre Preise noch nicht veröffentlicht. In all meinen Treffen mit den verschiedenen Chateau-Besitzern habe ich immer wieder betont, wie wichtig es ist, die Preise realistisch zu halten. Auch wenn die Qualität des 2014ers zweifellos über den Vorgänger-Jahren liegt, ist es wichtig, dass in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit Preise für Weinliebhaber- und Konsumenten und nicht für Spekulanten gemacht werden. Sollte dies der Fall sein, steht einer Kaufempfehlung für die vielversprechenden Bordeaux Primeur 2014 nichts im Wege.

